Welche Insekten fängt die fleischfressende Pflanze Sarracenia?

🌿 Biologie & Verhalten

Was fängt eine Sarracenia eigentlich?
Beutetiere in der Natur und bei uns

Von Ameisen und Schmeißfliegen bis zu Motten und Wespen: Die Fangstrategie der Schlauchpflanze unter der Lupe

Killian Dupont, Züchter bei fleischfressendepflanzenshop

Sarracenia ist eine Gattung fleischfressender Pflanzen, die natürlicherweise in den Vereinigten Staaten und Kanada vorkommt. Die meisten Arten wachsen an der Ostküste, in offenen Sümpfen, die oft von Kiefernwäldern umgeben sind. In diesen nährstoffarmen, feuchten Böden können sie über ihre Schläuche zusätzliche Nährstoffe wie Stickstoff (N) und Phosphor (P) aufnehmen, indem sie kleine Insekten und andere Beutetiere fangen und verdauen. Aber was genau fangen diese Schläuche? Und unterscheidet sich das zwischen der Natur und einem Garten in Belgien oder den Niederlanden?

Sarracenia leucophylla in ihrem natürlichen Habitat

Abb. 1. Sarracenia in ihrem natürlichen Habitat: offene Torfmoore umgeben von Kiefernwäldern an der Ostküste der USA. Die Schläuche ragen über die Vegetation hinaus und fungieren als passive Falle. Foto: Sarracenia leucophylla

Beutetiere in der Natur

Die Zusammensetzung der Fangbeute unterscheidet sich bemerkenswert zwischen den Arten. Nicht jede Sarracenia zielt auf dieselbe Beute ab.

Art Hauptbeutetiere Besonderheit
S. rubra Ameisen, nicht fliegende Insekten Niedrige, schmale Schläuche; effizient für Bodeninsekten
S. minor Ameisen, nicht fliegende Insekten Hat durchscheinende Flecken ("falsche Ausgänge"), die Insekten desorientieren
S. psittacina Ameisen, Wasserorganismen Reusenform: kann aktiv Organismen im Wasser fangen
S. flava Fliegen, Käfer, Wespen, Ameisen Große Schläuche; produziert Coniin (betäubend) im Schlauch
S. leucophylla Fliegen, Motten, Schmetterlinge, Ameisen Weiße Kappe zieht speziell Nachtfalter an
S. alata Fliegen, Käfer, Ameisen Vergleichbar mit S. flava in der Fangstrategie
S. purpurea Ameisen, Käfer, diverse Insekten Niedriger, offener Schlauch; keine Kappe, funktioniert eher als Regenwassersammler
Motten und die weiße Kappe: Dass S. leucophylla auffallend viele Motten und Schmetterlinge fängt, scheint mit der weißen Farbe ihrer Kappe zusammenzuhängen. Weiß reflektiert UV-Licht anders als grünes Gewebe, was für Nachtfalter ein attraktives Signal sein kann. Dies ist ein gutes Beispiel dafür, wie Morphologie und Fangerfolg direkt miteinander zusammenhängen.
🐜
Ameisen

In der Beute fast aller Arten vorhanden. Werden durch Nektar an der Außenseite des Schlauchs angelockt.

🐛
Fliegen

Dominant bei den größeren Arten wie S. flava und S. leucophylla. Werden durch Geruch angezogen.

🐞
Käfer

Regelmäßig in den größeren Schläuchen gefunden, besonders Laufkäfer, die dem Nektar folgen.

🦋
Motten & Schmetterlinge

Besonders bei S. leucophylla. Nur ein kleiner Anteil der Gesamtbeute, aber artspezifisch auffällig.

🐝
Bienen & Hummeln

Werden selten und in sehr kleinen Mengen gefangen. Keine messbare Auswirkung auf Bienenpopulationen nachgewiesen.

🦟
Mücken

Kaum von Sarracenia gefangen. Mücken werden besser von Drosera (Sonnentau) gefangen.

Beutetiere in Belgien und den Niederlanden

Durchgeschnittener Sarracenia flava Schlauch voll mit gefangenen Fliegen
🔬 Abb. 2. Ein durchgeschnittener S. flava-Schlauch aus unserem Gewächshaus, gefüllt mit gefangenen Schmeißfliegen. Eigene Aufnahme, August 2020

In unserer Klimazone fangen Sarracenia zum größten Teil Fliegen, Ameisen und Wespen, je nach Art und Standort. Eine Frage, die ich regelmäßig gestellt bekomme: Wie viele Fliegen kann so eine Schlauchpflanze eigentlich fangen?

Es ist schwierig, eine genaue Zahl anzugeben, aber diese Pflanzen haben sich über Tausende von Jahren entwickelt und sind sehr effizient in dem, was sie tun. Wenn die Pflanze draußen oder in einem unbeheizten Gewächshaus steht, sind die Schläuche gegen Ende des Sommers oft voll, wobei 100 dicke Schmeißfliegen pro Schlauch keine Seltenheit sind.

Auffallend: Selbst wenn ein paar Tausend fleischfressende Pflanzen beieinander stehen, wie bei uns im Gewächshaus, fangen fast alle Pflanzen immer noch gut. Es gibt offenbar keine Erschöpfung des lokalen Insektenangebots bei normalen Pflanzendichten.

Fangerfolge in der Praxis

Grober Richtwert für eine ausgewachsene Pflanze im Freien oder in einem unbeheizten Gewächshaus, Ende Sommer:

~100
Schmeißfliegen pro Schlauch bei großen Arten wie S. flava möglich
≈0
Auswirkung auf lokale Bienenpopulationen, Bienen werden selten gefangen. Die Blüten werden von Hummeln und Bienen bestäubt.
🦟 ✗
Mücken werden kaum von Sarracenia gefangen
⚠️ Mücken und fleischfressende Pflanzen: Wir hören es oft: "Ich habe eine fleischfressende Pflanze gekauft, um Mücken zu bekämpfen". Sarracenia ist dafür nicht die richtige Wahl. Mücken werden bei uns kaum gefangen. Für Mücken können Sie besser nach Drosera (Sonnentau) auf einer sonnigen Fensterbank suchen, auch wenn die Anzahl bescheiden bleibt.

Schauen Sie selbst: ein voller Schlauch aus nächster Nähe

Hier sehen Sie ein Video eines durchgeschnittenen Sarracenia flava-Schlauchs aus unserem Gewächshaus. Das sind keine kleinen Mücken – das sind dicke Schmeißfliegen.

🎬 Video 1. Ein durchgeschnittener Sarracenia flava-Schlauch aus dem Gewächshaus von fleischfressendepflanzenshop. Der Schlauch ist gefüllt mit gefangenen Schmeißfliegen – eine Illustration, wie effizient diese Pflanzen Beute fangen, selbst bei vielen Pflanzen nebeneinander.
Bestäuber-Beute-Konflikt: Wie zieht eine Pflanze Bestäuber für die Blüte und Beutetiere für die Schläuche an, ohne versehentlich die eigenen Bestäuber zu fressen? Bei Sarracenia ist dies schön gelöst: Die Blüten erscheinen früh im Frühjahr, noch bevor die Schläuche vollständig aktiv sind. Zu dem Zeitpunkt, zu dem die Schläuche optimal funktionieren, ist der Pollen bereits verteilt.

Selbst eine Schlauchpflanze im Garten?

Winterharte Sarracenia sind überraschend einfach in Belgien und den Niederlanden im Freien zu kultivieren und fangen die ganze Saison über. Entdecken Sie unser gezüchtetes Sortiment.

Unser Sarracenia-Angebot ansehen

Literatur

  • Fish, D. (1976). Insect-plant relationships of the insectivorous pitcher plant Sarracenia minor. Florida Entomologist, 199–203.
  • Harvard Forest. (2020). Sarraceniaceae captures. Geraadpleegd via https://harvardforest.fas.harvard.edu/sarraceniaceae-captures.
  • Heard, S. B. (1998). Capture rates of invertebrate prey by the pitcher plant, Sarracenia purpurea L. The American Midland Naturalist, 139(1), 79–89.
  • Horner, J. D. (2014). Phenology and pollinator-prey conflict in the carnivorous plant, Sarracenia alata. The American Midland Naturalist, 171(1), 153–156.
  • Jürgens, A., Sciligo, A., Witt, T., El-Sayed, A. M., & Suckling, D. M. (2012). Pollinator-prey conflict in carnivorous plants. Biological Reviews, 87(3), 602–615.
  • McPherson, S., & Schnell, D. E. (2011). Sarraceniaceae of North America. Redfern Natural History Productions.
  • Wray, D. L., & Brimley, C. S. (1943). The insect inquilines and victims of pitcher plants in North Carolina. Annals of the Entomological Society of America, 36(1), 128–137.

📸 Was befindet sich in Ihren Schläuchen?

Sind Sie neugierig, was Ihre Sarracenia am Ende des Sommers gefangen hat? Schneiden Sie einen Schlauch auf und senden Sie Ihr Foto an killian@dupontflora.com, vielleicht wird Ihr Fang in einem nächsten Artikel gezeigt!

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